Es wäre besser für ihn, dass man einen Mühlstein um seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als dass er einen dieser Kleinen zum Bösen verführt. (Lukas 17, 2)

Aktiv im Kinderschutz

Schon 2015 hat sich unsere Kirchengemeinde der Initiative des Kreisjugendrings angeschlossen und die Empfehlungen für eine geschützte Kinder- und Jugendarbeit umgesetzt. Dabei wurde über die bloße Umsetzung des §72a SGB VIII (Führungszeugnisse) hinaus mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unserer Kinder- und Jugendarbeit ein Gesamtkonzept erarbeitet. Die Selbstverpflichtung ggü. dem Kreisjugendamt als Träger der öffentlichen Jugendhilfe wurde mit Datum vom 22.10.2015 übernommen.

Als erste Organisation im Stadtgebiet Haiterbach wurde uns am 11.06.2018 das Siegel "Aktiv im Jugendschutz" verliehen. Damit zählen wir neben großen Vereinen und Jugendwerken zu den ersten 25 Trägern im Kreisgebiet. Die Verleihung erfolgte durch Herrn Landrat Helmut Riegger unter Würdigung unseres umgesetzten Gesamtkonzeptes, das für eine kleine Kirchengemeinde wie Ober- und Unterschwandorf bemerkenswert sei.

Das Gesamtkonzept beinhaltet neben der konsequenten Einholung von Führungszeugnissen einen Verhaltenskodex für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, der sich an die Regelungen des Evangelischen Jugendwerks Württemberg anlehnt. Es erfüllt die hohen Anforderungen der Initiative "Aktiv im Kinderschutz", bleibt aber für unsere kleine Gemeinde praktikabel, auch wenn wir nur über eine begrenzte Mitarbeiterzahl im Ehrenamt verfügen.

Wir sind überzeugt, dass unser Konzept zum Schutz aller Beteiligten beitragen kann: dem der Kinder vor unangemessenen Übergriffen und dem der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer negativen Interpretation eigentlich unverfänglicher Situationen.

Verhaltenskodex der Evangelischen Kirchengemeinde Ober- und Unterschwandorf für die Kinder- und Jugendarbeit

Evangelische Jugendarbeit wird durch das Miteinander von Menschen und ihrer Beziehung zu Gott lebendig. Dieses Miteinander soll von gegenseitigem Vertrauen geprägt sein. Vertrauensvolle Beziehungen geben Mädchen und Jungen Sicherheit und stärken sie. Beziehung und Vertrauen von Kindern und Jugendlichen dürfen nicht ausgenutzt werden.

  1. Wir stärken die uns anvertrauten Jungen und Mädchen. Wir gehen achtsam mit ihnen um und schützen sie vor Schaden, Gefahren und Gewalt.
  2. Wir verpflichten uns, alles zu tun, dass bei uns in der evangelischen Jugendarbeit Vernachlässigung, sexuelle Gewalt und andere Formen von Gewalt verhindert werden.
  3. Wir nehmen die individuellen Grenzempfindungen der Kinder und Jugendlichen wahr und respektieren sie.
  4. Wir greifen ein bei Anzeichen von sexistischem, diskriminierendem, rassistischem und gewalttätigem Verhalten in verbaler und nonverbaler Form.
  5. Wir verzichten auf abwertendes Verhalten. Wir achten darauf, dass wertschätzender und respektvoller Umgang untereinander gepflegt wird.
  6. Wir respektieren die Intimsphäre und die persönliche Schamgrenze von Teilnehmenden und Mitarbeitenden.
  7. Wir leben einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.
  8. Wir missbrauchen unsere Rolle nicht für sexuelle Kontakte zu den uns anvertrauten jungen Menschen.
  9. Wir achten auf Grenzüberschreitungen durch Mitarbeitende und Teilnehmende in den Gruppen, bei Angeboten und Aktivitäten. Wir vertuschen sie nicht und reagieren angemessen darauf.
  10. Wir suchen kompetente Hilfe, wenn wir gewaltsame Übergriffe, sexuellen Missbrauch, sowie Formen der Vernachlässigung vermuten.
  11. Wir tragen Sorge dafür, dass einzelne haupt- und/oder ehrenamtliche Mitarbeiter/innen in einem mindestens 3jährigen Rhythmus zum Themenkomplex "Kindeswohlgefährdung, sexueller Missbrauch, Schutzkonzepte" etc. geschult werden. Dies kann bei einem kirchlichen Träger, aber z.B. auch bei der Fachstelle gegen sexuelle Gewalt im Landkreis oder bei anderen Anbietern stattfinden.

Konzept zur Umsetzung des Kinder- und Jugendschutzes in der Evangelischen Kirchengemeinde Ober- und Unterschwandorf

Noch ein grundsätzliches Wort ...

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf - so lautet ein afrikanisches Sprichwort und so wird es in Ober- und Unterschwandorf seit Jahrhunderten gelebt. Aber unser Bild von dörflicher Gemeinschaft unterliegt Veränderungen. Spielende Kinder auf den Strassen werden seltener, ebenso wie Väter, die zuhause oder im Dorf arbeiten und Mütter, die als Familienfrau zuhause sind. Kinderbetreuung findet stärker als früher in Kindergarten und Schule, aber auch in der Kinder- und Jugendarbeit von Kirche und Vereinen statt.

Diese Arbeit an sich ist schon ein großer Beitrag, Kinder stark zu machen und sie auf ein werteorientiertes, erfülltes Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Wir tragen dazu in den Bildungseinrichtungen ebenso bei wie in unseren Gruppen und Kreisen. Dabei stehen wir in der Verantwortung vor Gott und den Menschen.

Mit großem Erschrecken lesen wir immer wieder von Übergriffen auf Kinder und Jugendliche, von denen selbst unsere so übersichtlich geprägte Region nicht verschont bleibt. Und immer wieder sind wir erstaunt, in welchen völlig unerwarteten, scheinbar sicheren Beziehungen sich das ergibt. Genauso leider auch, wie Menschen aufgrund unberechtigter Verdächtigungen aus ihrem sozialen Leben gedrängt werden.

Natürlich sind wir überzeugt, dass so etwas bei uns nicht passiert. Aber das waren andere auch. Mit "Aktiv im Kinderschutz" wollen wir das unsere dazu beitragen, dass unsere Gemeinde "sauber bleibt". Dabei ist uns wichtig: es geht hier "nur" um einen leider nötigen Teilaspekt, denn Kinder- und Jugendschutz fängt nicht erst bei der Vermeidung von Übergriffen an, sondern in einem positiven, stärkenden Miteinander.